|
Glarner Alpen
5.7.2017 Hirzel (Tüfenmoos, 665 m) |
Flügelspannweite bis 110 mm, Körperlänge bis 90 mm |
|
|
N1023951
Die Zweigestreifte Quelljungfer ist eine der grössten heimischen Libellenarten. Der Entomologe James Bolton hat die Art 1796 in Yorkshire entdeckt, der Artname boltonii wurde zu seinen Ehren vergeben. Informationen zum Tier: Art: Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii). Verbreitung: Von Nordwestafrika und der Iberischen Halbinsel über West- und Mitteleuropa ostwärts bis nach Russland und nordwärts bis Mittelskandinavien. Lebensräume: Als reine Fliessgewässerart benötigen die Tiere Bergbäche oder sandgründige Tieflandbäche mit hoher Wasserqualität. Manchmal handelt es sich nur um schmale Rinnsale wie Gräben, breitere oder schnell fliessende Gewässer werden hingegen weitestgehend gemieden. Merkmale: Die Körperlänge beträgt bis 90 mm, die Flügelspannweite zwischen 90 und 110 mm. Der Thorax ist schwarz und weist gelbe Antehumeralstreifen und Seitenbinden auf. Der ebenfalls schwarze Hinterleib (Abdomen) hat gelbe, in der Mitte meistens unterbrochene Querbinden, wobei sich jeweils eine breitere in der Segmentmitte und eine schmälere am hinteren Rand des Segmentes befindet. Die Augen sind grün, das hinten zwischen den Augen gelegene Hinterhauptdreieck ist gelb. Die Vorder- und Hinterflügel weisen entlang der Vorderkanten eine hellgelbe Färbung auf. Die Weibchen verfügen am Ende des Abdomens über einen stark entwickelten Legebohrer. Die Tiere zeigen keinen Sexualdimorphismus, die Färbung ist bei beiden Geschlechtern in etwa gleich. Lebensweise: Zweigestreifte Quelljungfern sind keine sehr ausdauernden Flieger. Die Männchen kennen keine festen Territorien. Sie patrouillieren in niedrigem und langsamen Suchflug entlang der besiedelten Gewässer auf der Suche nach Beute oder Weibchen. Suchflüge von wenigen Minuten Dauer werden durch ausgedehnte Pausen in der unmittelbaren Ufervegetation unterbrochen. Die Weibchen sind kaum zu sehen. Sie kommen wahrscheinlich nur zur Eiablage ans Gewässer. Nahrung: Die Imagines ernähren sich von Fliegen, Mücken, Schnaken, aber auch von grossen Tagfaltern oder anderen Gross- und Kleinlibellen. Auch wehrhafte Insekten wie Wespen oder Honigbienen werden bejagt. Die Larven ernähren sich von Bachflohkrebsen, Muschelkrebsen, Käfern sowie aquatil lebenden Larven diverser Insekten, auch Kannibalismus zwischen den Libellenlarven kommt vor. Paarung: Von Männchen entdeckte Weibchen werden sofort ergriffen, das Paar bildet dann die Tandemformation. Die Paarung mittels Paarungsrad wird sitzend in der nahen Vegetation verbracht und kann bis zu einer Stunde dauern. Ei: Die anschliessende Eiablage vollzieht sich ohne Begleitung des Männchens in einer eigentümlichen, nur für Cordulegaster-Arten typischen Weise. In etwa senkrechter Körperhaltung pflügen die fliegenden Weibchen die Eier mit ihrem speziell ausgebildeten, langen Legeapparat regelrecht in das Bodensubstrat des Gewässers. Das Tier macht dabei Setzbewegungen im Ein- bis Zweisekundentakt, wobei immer einige Eier in den Boden 'eingeimpft' werden. Durch das oftmalige Einstossen des Legeapparates in das Substrat nutzt sich dieser mit der Zeit stark ab. Larve: Die mit über 40 mm Länge sehr grossen und kräftigen Larven leben eingegraben im Substrat strömungsarmer, vegetationsloser Abschnitte wenig verschmutzter Bäche und Gräben. Besonders Ruhigwasserstellen, wie sie durch Stauhindernisse, Auskolkungen oder Gleithänge in einem Bachmäander entstehen, werden besiedelt. Darüber hinaus kommen die Larven in seichten Randbereichen der Quellrinnen von Kalkquellmooren, in kleinen Quell- und Sinterbecken mit Kalktuff oder auch in nassen Moospolstern vor. Ihre Entwicklungsdauer beträgt je nach Biotopverhältnissen und Wassertemperaturen 3 - 7, meist wohl 4 - 5 Jahre. Die Larven sind vorwiegend nachtaktive, passive Lauerjäger, die sich im Sediment verbergen und nur mit den Augen herausschauen. Bei absinkendem Wasserspiegel suchen sie tiefere Wasserlöcher auf, verkriechen sich unter Steinen, Moos oder Falllaub oder graben sich im Schlamm ein. Imago: Der Schlupf der Imagines aus dem letzten Larvenstadium erfolgt überwiegend in den frühen Morgenstunden unmittelbar am Ufer und dauert meist über 4 Stunden. Gelegentlich entfernen sich die Larven aber auch mehrere Meter vom Wasser. Die Exuvien findet man meist mit dem Kopf etwas nach hinten geneigt an senkrechten oder überhängenden Strukturen in krautiger Vegetation, an Steinen oder an Wurzeln. Während die geschlüpften Libellen ausreifen, fliegen sie abseits vom Gewässer an besonnten Stellen von Wiesen oder Waldlichtungen. Die Flugzeit liegt in Mitteleuropa zwischen Anfang Juni und Ende September bis Anfang Oktober, mit einem Schwerpunkt im Juli und August. Lebenserwartung: Bis zu 80 Tagen. Feinde: Vögel, Frösche, Spinnen, Wespen, Hornissen. Webspinnen und Ameisen können frisch geschlüpfte Libellen attackieren und verzehren. Larven werden von Fischen gefressen. |