Berner Alpen (Alpes Bernoises)
9.9.2017 - Brigerbad (Badhalte, 685 m)
N1024920
Ein Weibchen der Gemeinen Winterlibelle sitzt gut getarnt im Hangbewuchs.
Informationen zum Tier:
Art: Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca).
Verbreitung: Primär im europäischen Mittelmeerraum, aber auch in Mitteleuropa und östlich bis zum Ural.
Regionale Verbreitung Alpen: Teile des Tieflands, meistens zwischen 400 und 500 m, aber auch bis in Höhen von 950 m.
Lebensräume: Ausgereifte Exemplare leben an sonnenbeschienenen, naturbelassenen, stehenden Kleingewässern mit Tiefen bis zu 1 Meter sowie Röhricht und Grossseggenbestand.
Merkmale: Die Imagines der Männchen und Weibchen unterscheiden sich bis auf die Hinterleibsanhänge und einige minimale Grössenunterschiede nicht nennenswert. Die Körperlänge beträgt 34 - 39 mm, die Flügelspannweite 37 - 47 mm. Die Grundfärbung reicht von einem hellen Beige bis Braun. Die braunen Stellen schimmern kupferfarben und bilden auf dem Abdomen ein Muster aus lanzenförmigen Flecken. Die Brust zeigt seitlich zwei dunkle Binden, die Unterkante der oberen Binde verläuft gerade. Im Frühjahr dunkeln die Tiere nach und die Komplexaugen können oben einen bläulichen Ton annehmen.
Lebensweise: Die Libellen überwintern als voll entwickelte Tiere, wobei sie auch Minustemperaturen überstehen können. Längere nasskalte Perioden führen hingegen zu Verlusten. An sonnigen Tagen unterbrechen sie ihre Winterruhe und können herumfliegend beobachtet werden, was ihnen auch ihren Namen eingebracht hat. Die Hauptflugzeit der überwinterten Imagines liegt zwischen April und Mai (Juni), man findet sie dann in Gewässernähe. Dort sitzen sie an Stengeln, wobei sie ihre Flügel untypisch für Teichjungfern an den Körper legen. Insgesamt sind die Imagines nicht sehr agil. Im Juli gibt es in Mitteleuropa für gewöhnlich eine kurze Phase ohne Winterlibellen, bevor ab dem Monatswechsel Juli/August bis in den September hinein die neue Generation schlüpft. In wärmeren Klimazonen kann sich die Phänologie zweier Jahrgänge aber auch überschneiden. Die neu geschlüpften Winterlibellen sind bis in den späten Herbst aktiv, allerdings ohne sich in dieser Phase zu paaren und Eier abzulegen. Mit dem Beginn längerer Kälteperioden begeben sie sich zur Winterruhe.
Nahrung: Sie erbeuten als generell nicht sehr flugfreudige Ansitzjäger Insekten.
Paarung: Zur Fortpflanzung im April und Mai suchen sie ganztägig besonnte, von Röhricht bewachsene Gewässer jeder Grösse auf. Zur Paarung warten die Männchen an Orten mit gegenüber der Umgebung leicht erhöhten Temperaturen auf die später am Tag eintreffenden Weibchen. Die im Paarungsrad stattfindende Paarung dauert dann einige Minuten bis zu einer halben Stunde.
Ei: Danach bohrt das Weibchen mit üblicherweise weiter angekoppeltem Männchen die Eier in meist schwimmende, abgestorbene Pflanzenteile. Bei Raten von etwa 4 - 5 Eiern pro Minute legt es über den Tag an verschiedenen Plätzen um die 350 Eier. Zur Entwicklung brauchen die ungefähr 1 mm langen und 0,16 mm breiten Eier 3 - 6 Wochen.
Larve: Direkt nach dem Schlupf sind die Larven vergleichsweise sehr klein und von dunklem bis gräulichem Gelbbraun. Mit den verschiedenen Häutungen hellt sich die Farbe zuerst auf und tendiert dann zu grünlich-grau bis durchsichtig. Mit der dritten Häutung treten erstmals Flügelscheiden auf. Nach 2 - 3 Monaten und 8 - 10 Häutungen kommt es bei einer Grösse von 20 - 25 mm zur Verwandlung. Das Habitat der Larven sind stehende Gewässer bis zu einem Meter Tiefe. Sie halten sich aber meist in Tiefen um 20 cm auf. Üblicherweise sind die Gewässer mesotroph (mässig nährstoffreich) bis eutroph (nährstoffreich).
Imago: Die Imaginalhäutung erfolgt zwischen Ende Juli und Ende August an ufernahen Pflanzen, die vormittags zur Hauptschlupfzeit gut besonnt sind. Der Schlupf dauert zwischen 50 und 75 Minuten. Die Reifezeit verbringen die Imagines in Gewässernähe. In dieser Zeit leben sie auf Wiesen und in Wäldern, wo sie optimal getarnt bevorzugt auf braunen Ästen sitzen. Danach ziehen sie sich in ihre bis zu mehrere Kilometer vom Entwicklungsgewässer entfernte Winterquartiere in Form von gut besonnten Waldrändern, Lichtungen oder Brachen zurück.
Lebenserwartung: Die Lebensdauer als Imago beträgt bis zu 330 Tage.
Feinde: Frösche, Vögel und Hornissen. Webspinnen und Ameisen können frisch geschlüpfte Libellen attackieren und verzehren. Larven werden von Fischen gefressen.
N1024920

Flügelspannweite bis 47 mm, Körperlänge bis 39 mm