Berner Alpen (Alpes Bernoises)
18.9.2018 - Brigerbad (656 m)
N1028236
Die Libelle landet zwei-, dreimal auf dem Zaun, dann fliegt sie endgültig weiter.
Informationen zum Tier:
Art: Grosse Heidelibelle (Sympetrum striolatum).
Verbreitung: Europa ohne Nordskandinavien, zudem der Norden Afrikas sowie Klein- und Westasien.
Regionale Verbreitung Alpen: Bis in Höhen von 600 m, selten darüber.
Lebensräume: Für den Reifeprozess entfernen sich die Tiere zum Teil mehrere Kilometer vom Schlupfgewässer. Dabei suchen sie vornehmlich Wiesen, Waldlichtungen, Wege und Gärten auf. Für die Fortpflanzung wählen sie warme, stehende Gewässer, die den Habitatansprüchen der Larven genügen. Das Ufer sollte dabei flach abfallen und nicht allzu hoch bewachsen sein. Wie die Larven meiden auch die Imagines beschattete Bereiche.
Merkmale: Die Körperlänge misst zwischen 35 und 44 mm, die Spannweite der Flügel 50 - 62 mm. Direkt nach der Metamorphose zur Imago zeigen sich noch keine Sexualdimorphismen in der Färbung. Weibchen und Männchen sind zu diesem Zeitpunkt am Abdomen blassgrün. Der Brustabschnitt (Thorax) ist vorn hellrosa, die Seiten sind gelb und mit zarten braunen Strichen versehen. Die Stirn weist ein blasses Ockergelb auf, die Komplexaugen sind oben schokoladenbraun, unten gelbgrün. Es dauert etwa zwei Wochen, bis die endgültige ockergelbe Färbung entstanden ist. Mit dem Altern färben die Tiere aus und es bilden sich farbliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern heraus. Bei den Männchen stellt sich an der Medianlinie beginnend ein roter Farbton ein. Auf dem Thorax entstehen zwei helle Seitenstreifen, die eine Abgrenzung der Art gegenüber anderen Arten erlauben. Bei den Weibchen hingegen bleibt der Thorax blass und auf dem Abdomen sind nur in der unmittelbaren Nähe der Medianlinie rote Spuren zu erkennen. Der Kopf trägt eine schwarze Stirnzeichnung, die an den Augen endet. Die Beine sind schwarz und besitzen oberseits eine rote bis gelbe Färbung.
Lebensweise: Über den Tag beginnt die Libelle an warmen Sommertagen bereits um 8 Uhr ihren Flug. Fortpflanzungsaktivität findet aber gewöhnlich erst ab 9 Uhr statt und endet gegen 14 Uhr. Um diese Zeit ziehen sich die Tiere auch an geschütztere Bereiche des Gewässers zurück. Zur Erwärmung der Flugmuskeln nutzt sie neben der Ausrichtung zum Sonnenstand auch die durch Bewegung der Muskeln entstehende Wärme. Hierzu zittert sie insbesondere bei Temperaturen unter 13 °C mit den Flügeln.
Nahrung: Kleinere Fluginsekten wie Mücken oder Bremsen, aber auch sonst alles, was sie überwältigen kann.
Paarung: Zur Paarung bereite Männchen warten auf einem ungefähr 3 - 5 Meter hohen Ausguck und passen vorbeifliegende Weibchen ab. Zur Paarung bilden Männchen und Weibchen ein Tandem. Hierauf folgend landet das Paar und das Weibchen bewegt die am Ende ihres Abdomens gelegene Geschlechtsöffnung zu der des Männchens. Die Ablösung erfolgt in der Regel, indem sich das Weibchen an emerser Vegetation festhält, während sich das Männchen durch Wegfliegen löst. Die Paarung dauert 10 - 20 Minuten.
Ei: Nach der Trennung legt das Weibchen für ungefähr 20 Minuten Eier ab, wobei es anfänglich vom Männchen bewacht wird. Die Ablage erfolgt durch Eintauchen der Abdomenspitze ins Wasser. Die Weibchen legen bis zu 1500 Eier am Tag, wobei ein einzelnes Ei nur etwa 0,3 mm breit und 0,6 mm lang ist. Die Entwicklungsdauer der Eier schwankt enorm und liegt zwischen 10 und 60 Tagen.
Larve: Die Larven sind wenig behaart und sepiafarben. Sie werden um 7 mm breit und 18 mm lang. Der fünfeckige, auf der Oberseite leicht konvexe Kopf macht davon ungefähr 5,5 mm aus. Die Larven halten sich zwischen unter Wasser wachsenden Pflanzen in nicht allzu grosser Tiefe auf. Bevorzugt werden dabei Tausendblatt und Wasserschlauch. In flachen Wasserzonen leben die Larven auch auf dem Grund. Bevorzugt werden eutrophe Gewässer. Nur sehr saure Moorgewässer mit pH-Werten unter 5 werden nicht besiedelt. Ein Austrocknen überleben die Larven nicht. Bei günstigen Bedingungen entwickeln sich die Larven innerhalb von 12 bis 15 Wochen. Üblicherweise vollziehen die Tiere in der Entwicklung 8 - 10 Häutungen. Für den Schlupf erklettern die Larven aus dem Wasser ragende Halme.
Imago: Die Flugzeit beginnt in Mitteleuropa frühestens Anfang Juni und reicht bis Anfang November. Bei günstiger Witterung kann sich die Saison aber auch bis in den Dezember erstrecken. Das Maximum des Schlupfes wird in der zweiten Augusthälfte erreicht. In wärmeren Gegenden kann es zu 2 Generationen pro Saison kommen. In Mitteleuropa kommt normalerweise nur eine vor. Weiter im Norden ist auch eine sich über 2 Jahre erstreckende Entwicklungsdauer üblich.
Lebenserwartung: Um 2 Monate.
Feinde: Vögel, Frösche, Spinnen, Wespen, Hornissen. Webspinnen und Ameisen können frisch geschlüpfte Libellen attackieren und verzehren. Larven werden von Fischen gefressen.


Anmerkung: Es existieren einige sehr ähnliche Arten. Auf Grundlage von Fotos ist Sympetrum striolatum nur schwierig von Sympetrum vulgatum und von Sympetrum meridionale zu unterscheiden.
N1028236

Flügelspannweite bis 62 mm, Körperlänge bis 44 mm